Interpellation | Deutsch- und Mathematik-Kenntnisse im Sinkflug bei Schulabgängern
Eine gemeinsame Umfrage von economiesuisse, dem Schweizerischen Gewerbeverband und dem Schweizerischen Arbeitgeberverband mit rund 2900 teilnehmenden Ausbildungsverantwortlichen zeigt, dass sinkende Grundkompetenzen bei Schulabgängern die Ausbildungsbereitschaft der Unternehmen belasten. Der dramatische Titel des Papiers lautet: „Sinkflug der Grundkompetenzen gefährdet die Ausbildungsbereitschaft der Betriebe“.

Und das sind die Erkenntnisse: Viele Unternehmen beobachten seit fünf bis zehn Jahren eine kontinuierliche Verschlechterung. Im Zentrum der Defizite stehen mangelnde Schreibkompetenzen und fundamentale Lücken in der Mathematik.
Um diese Mängel auszugleichen, investieren rund drei Viertel der Betriebe bereits heute Zeit und Geld in interne oder externe Fördermassnahmen. Diese zusätzlichen Betreuungs- und Ausbildungskosten belasten besonders kleine und mittlere Unternehmen, die ohnehin personell enger kalkulieren müssen.
Die Folgen treffen den Arbeitsmarkt direkt:
- Jedes fünfte Unternehmen plant, wegen des erhöhten Aufwands künftig weniger Lernende einzustellen.
- Zahlreiche Betriebe verschärfen ihre Selektionskriterien bei Bewerbungen.
- Bleiben geeignete Kandidaten aus, bleiben Lehrstellen schlicht unbesetzt.
Die Wirtschaftsverbände betonen, dass die Vermittlung dieser Grundlagen primär Aufgabe der obligatorischen Schule ist. Um die duale Berufsbildung und den Standort Schweiz zu schützen, fordert die Wirtschaft, Lesen, Schreiben und Rechnen in der Volksschule wieder stärker zu gewichten, die Ursachen systematisch zu untersuchen und ein transparenteres Bildungsmonitoring einzuführen.
Die Wirtschaft wirft den obligatorischen Schulen vor, ihrer Kernaufgabe bei der Vermittlung von grundlegenden Kulturtechniken nicht mehr ausreichend nachzukommen. Konkret lautet die Kritik, dass die Schule den Jugendlichen jene soliden Fundamente nicht mehr mitgibt, die für eine erfolgreiche berufliche Grundbildung zwingend vorausgesetzt werden.
Im Detail beanstanden die Verbände folgende Punkte:
- Verlagerung des Aufwands: Da die Jugendlichen mit zunehmenden Lücken – primär beim Schreiben und in der Mathematik – in die Lehre eintreten, müssen die Betriebe diesen Rückstand mühsam aufarbeiten. Etwa drei Viertel der Unternehmen leisten hierfür zusätzlichen internen oder externen Förderaufwand, obwohl diese Grundlagen während der Schulzeit hätten gelegt werden müssen.
- Mangelnde Priorisierung der Basiskompetenzen: Lesen, Schreiben und Rechnen müssten in der Volksschule wieder konsequent ins Zentrum rücken, statt dass grundlegende Defizite hingenommen werden.
- Fehlende Transparenz und Kontrolle: Es mangelt nach Ansicht der Wirtschaft an einem wirksamen Bildungsmonitoring und einer tiefgehenden Ursachenanalyse, um die negativen Entwicklungen im Schulsystem rechtzeitig transparent zu machen und gegenzusteuern.
Der Regierungsrat wird ersucht, folgende Fragen zu beantworten:
- Wie begegnet der Regierungsrat dieser Kritik, insbesondere hinsichtlich der Leseund Schreibkompetenzen, der Mathematikkompetenzen sowie im Allgemeinen?
- Ist der Regierungsrat bereit, Ursachen hierfür zu eruieren, offenzulegen und entsprechend zu handeln?
- Was zeigt das kantonseigene Bildungsmonitoring diesbezüglich?
- Beabsichtigt der Regierungsrat die Grundkompetenzen in Deutsch und MINT wieder vermehrt zu stärken, um die Betriebe zu entlasten?
