Motion: «Spital-Allianz Schwyz»
Für eine kantonal koordinierte, moderne und leistungsstarke Spitalstruktur. Weichenstellung für eine gesicherte Zukunft für alle drei Spitäler durch Abbau von ineffizienten Parallelstrukturen.

Ausgangslage: Strukturdefizite trotz Listenspital-Status
Die drei Spitäler des Kantons Schwyz (Einsiedeln, Lachen, Schwyz) profitieren als Grundversorger auf der Spitalliste von erheblichen strukturellen und tariflichen Vorteilen. Diese Privilegierung verpflichtet jedoch implizit zu einem koordinierten Handeln im Sinne eines funktionierenden Gesamtsystems.
Gleichzeitig hat sich die wirtschaftliche Lage der Spitäler schweizweit deutlich verschärft. Gemäss Bundesamt für Statistik (BFS) resultierte 2024 ein Gesamtverlust von rund 347 Mio. Franken; 62 % der öffentlichen Spitäler schlossen das Geschäftsjahr mit einem negativen Ergebnis ab. Externe Analysen zeigen, dass mehr als die Hälfte der Schweizer Spitäler nach Abschreibungen Verluste schreibt, mit kumulierten Defiziten von bis zu 750 Mio. Franken. Diese Entwicklung wird breit als strukturelle Unterfinanzierung des Spitalwesens beurteilt.
Der Kanton Schwyz ist von dieser Entwicklung nicht ausgenommen. Auch wenn aktuell noch keine akuten Krisensituationen wie in anderen Kantonen sichtbar sind, bestehen keinerlei sachliche Gründe anzunehmen, dass die Schwyzer Spitäler langfristig davon verschont bleiben.
Obwohl der Kanton über kein zentrales Kantonsspital verfügt – was grundsätzlich die Chance für eine intelligente Allianz bieten würde – ist der Ist-Zustand von streckenweise ineffizienten Mehrfachspurigkeiten und einer zunehmend destruktiven Konkurrenzdynamik geprägt.
Problem: Faktische Dreifachstrukturen und ungesunder Wettbewerb
Auf engem geografischem Raum bestehen faktisch drei nahezu identische Akutspitäler mit parallelen Kernkliniken und Infrastrukturen in folgenden Bereichen:
- Innere Medizin / stationäre Grundversorgung
- Chirurgie / chirurgische Grundversorgung
- Orthopädie & Unfallchirurgie
- Kardiologie
- Gynäkologie
- ORL, Radiologie, Anästhesie, Notfall, IPS und OP-Infrastruktur
Dreifachstrukturen führen zu hohen Fixkosten, geringerer Fallzahlkonzentration, Qualitätsrisiken sowie zu einer von Fachorganisationen (u. a. santésuisse, prio.swiss) wiederholt kritisierten Überversorgung.
Die heutige Konkurrenzdynamik ist hoch ineffizient. Die Spitäler versuchen, sich in attraktiven Feldern gegenseitig zu übertrumpfen, und nehmen dabei Kostensteigerungen und eine Qualitätsverdünnung in Kauf.
Besonders problematisch zeigt sich dieser Wettbewerb auf kleinem Raum in folgenden Bereichen:
- Nephrologie / Dialyse (Schwyz – Lachen): Hochspezialisierte Leistungen ohne sachliche Rechtfertigung für Parallelstrukturen.
- Urologie (Schwyz – Einsiedeln): Elektive Leistungen ohne klare Spezialisierung führen zu gegenseitiger Kannibalisierung.
- Wirbelsäulen- und Neurochirurgie (Schwyz – Einsiedeln): Hochspezialisierte Medizin ohne ausreichende Fallzahlen pro Standort.
- Onkologie / Hämatologie (Schwyz – Lachen): Ineffiziente Aufsplitterung trotz bereits bestehender Schwerpunktbildung und universitärer Konkurrenz.
Zwar quersubventionieren einzelne lukrative Spezialgebiete derzeit Defizite in anderen Bereichen, doch wird dieses Modell durch den fortgesetzten internen Wettbewerb mutmasslich zunehmend ausgehöhlt und instabil.
Schwächen und Risiken: Destruktiver Wettbewerb gefährdet Standorte
Die drei Spitäler des Kantons Schwyz hatten über Jahre hinweg jederzeit die Möglichkeit, eigenständig eine Annäherung zu finden und den ungesunden Konkurrenzkampf zu minimieren, resp. beenden. Dies ist nicht erfolgt – im Gegenteil: Die Parallelstrategien wurden weiterverfolgt, der Wettbewerb verschärft und damit die strukturellen Risiken in Kauf genommen.
Angesichts der hohen Verantwortung aller drei Spitäler für die medizinische Grundversorgung sowie der realen Gefahr, dass mehrere Schweizer Spitäler gleichzeitig in finanzielle Notlagen geraten können – eine Konstellation, die auch im Kanton Schwyz keineswegs ausgeschlossen ist –, ist der Kanton in der Pflicht, dass die entstehenden Defizite letztlich nicht durch den Kanton und damit durch die Steuerzahler aufgefangen werden müssten. Gleichzeitig besteht das reale Risiko einer Spitalschliessung aus rein wirtschaftlichen Gründen. Eine solche Entwicklung würde nicht nur die Versorgungsqualität nachhaltig beeinträchtigen, sondern auch erhebliche indirekte finanzielle Folgen verursachen, da sämtliche Standorte über funktionierende, werthaltige Infrastrukturen verfügen.
Ein weiteres Zuwarten ist daher nicht mehr wünschenswert. Wer heute am Status quo festhält, akzeptiert eine Entwicklung, die zwangsläufig in eine finanzielle Misere und in eine Gefährdung der medizinischen Grundversorgung münden wird. Die Situation ist hochdringlich – es ist fünf vor zwölf. Sollte die Bildung einer Spital-Allianz weiterhin aktiv verhindert werden, sind absehbar negative Konsequenzen für Versorgungssicherheit, Standortstabilität und die kantonalen Finanzen zu gewärtigen.
Lösung: Verbindliche Allianz zur Stärkung Aller
Die Lösung kann nicht den einzelnen Spitälern überlassen werden. Es handelt sich um eine strategische Kernaufgabe des Kantons, eine verbindliche, strukturierte und durchsetzbare Zusammenarbeit in Form einer Spital-Allianz zu etablieren.
Ziel ist ausdrücklich nicht die Schwächung eines Standorts, sondern die nachhaltige Sicherung und Stärkung aller drei Spitäler durch klare Arbeitsteilung, gezielte Schwerpunktbildung und den Abbau von Doppel- und Dreifachstrukturen. Dies setzt voraus, dass jedes Spital bereit ist, bestimmte Leistungen abzugeben, um im Gegenzug andere Leistungen als kantonale Schwerpunkte weiterzuentwickeln.
Prävention ist dabei klar kostengünstiger als spätere Rettungsaktionen unter Zeitdruck. Die Spital-Allianz ist daher u.E. kein optionaler Reformschritt, sondern eine zwingende Massnahme im öffentlichen Interesse, um dem Kanton Schwyz langfristig Versorgungssicherheit, Qualität und wirtschaftliche Stabilität zu garantieren.
Forderungen an den Regierungsrat:
Mit dieser Motion fordern wir den Regierungsrat auf, dem Kantonsrat eine Vorlage mit folgenden Zielen zu unterbreiten:
- Entwicklung eines gesamthaften Koordinationsmodells Es ist ein Modell zu erarbeiten, das die drei Listenspitäler (Spital Schwyz, Spital Einsiedeln, Spital Lachen) in eine übergeordnete, kantonal definierte Strategie integriert. Ziel sind synergistische Abläufe und Tätigkeitsfelder.
- Aufbau einer dynamischen Spital-Allianz Es ist eine verbindliche Basis für eine «Spital-Allianz Schwyz» zu schaffen, welche:
– Die Stärken der einzelnen Standorte gezielt nutzt und Mehrspurigkeiten reduziert.
– Die gesamte Versorgungskette (ambulant – akut – postakut – Rehabilitation) optimiert.
– Gemeinsame Dienste, Infrastrukturen und eine koordinierte Investitionsplanung ermöglicht und begünstigt.
– Die finanzielle Stabilität aller Standorte begünstigt und die medizinische Ergebnisqualität erhöht.
- Verbindliche Kooperationsmechanismen Die Zusammenarbeit darf nicht freiwillig bleiben, sondern muss durch wirksame und verbindliche Mechanismen gesichert werden:
– Einsetzung eines schlanken, wirkungsvollen kantonalen Koordinationsorgans (ggf. mit Qualitätskontrolle).
– Harmonisierung der Leistungsplanung und Qualitätsstandards sowie Zusammenlegung von Supportdiensten (Labor, IT, Einkauf, Radiologie).
– Koordinierte Personalplanung, Weiterbildung sowie klare Governance-Regeln.
- Aufbau klarer medizinischer Spezialcluster (Profilbildung) Basierend auf einer Analyse sind für jeden Standort komplementäre medizinische Profile zu entwickeln. Diese Profilbildung soll sicherstellen, dass sich die Häuser – wo immer möglich und sinnvoll – ergänzen statt konkurrieren. Stärken sind gezielt auszubauen, unnötige Überlappungen zu reduzieren.
- Verpflichtung zur Teilnahme (Listenrelevanz) Die Ausrichtung gemäss der Allianz-Strategie soll zur Voraussetzung für den Verbleib auf der kantonalen Spitalliste sowiefür den Erhalt kantonaler Unterstützungsleistungen werden.
- Wirkungs- und Kostenanalyse Die Vorlage muss die finanziellen und qualitativenAuswirkungen darlegen, insbesondere:
– Mittel- bis langfristige Kosteneinsparungen, Skaleneffekte und Effizienzgewinne.- Steigerung der medizinischen Qualität, Patientensicherheit sowie derArbeitgeberattraktivität. - Strategische Positionierung («Leuchtturmregion») Es ist aufzuzeigen, wie sichder Kanton Schwyz durch moderne, integrierte Versorgung und effizienteInfrastrukturnutzung als schweizweit führende Gesundheitsregion positionieren kann,die auch für ausserkantonale Patienten attraktiv ist.
