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Vorstoss

Interpellation | Integrative Schule: Ist die Zeit reif für Kurskorrektur auch im Kanton Schwyz?

Vorstoss von SVP-Kantonsräte Alois Lüönd-Martone, Luka Fritz Hüppin, Ueli Kistler, Thomas von Euw, Jan Stocker und SVP-Kantonsrätin Angela Ruoss

Die Diskussion über die integrative Schule hat in den vergangenen Wochen erheblich an Dynamik gewonnen. Eine vom Dachverband Lehrerinnen und Lehrer Schweiz LCH in Auftrag gegebene und vom Forschungsinstitut GFS Bern durchgeführte Befragung von über 10’000 Lehrpersonen zeigt eine tief gespaltene Lehrerschaft. Zustimmung und Skepsis gegenüber der integrativen Schule halten sich ungefähr die Waage. Die integrative Schule wird von den Befragten im Durchschnitt deutlich eher als Belastung denn als Entlastung wahrgenommen. Der LCH hält fest, dass die Idee der integrativen Schule im Schulalltag häufig nur schwer umsetzbar sei.

Die Resultate gehen weit über eine allgemeine Unzufriedenheit hinaus. Gemäss der veröffentlichten Auswertung geben 83 Prozent der befragten Lehrpersonen an, ihre Arbeitsbelastung habe mit der integrativen Schule zugenommen. 81 Prozent fühlen sich durch herausforderndes Verhalten von Schülerinnen und Schülern stark belastet. 71 Prozent sind der Ansicht, leistungsstarke Schülerinnen und Schüler würden nicht ausreichend gefördert. 52 Prozent stellen ein gesunkenes Leistungsniveau fest.

Rund die Hälfte beurteilt die integrative Schule als gescheitert.

Besonders kritisch fällt die Einschätzung auf der Sekundarstufe sowie bei Lehrpersonen aus, die Schülerinnen und Schüler mit Verhaltensauffälligkeiten unterrichten. Der LCH selber spricht mittlerweile von einem grundlegenden Zielkonflikt. Herausforderungen, welche eigentlich durch Bildungspolitik oder Schulleitungen gelöst werden müssten, würden in die einzelnen Schulzimmer verlagert und blieben bei den Lehrpersonen hängen. Ressourcen und Unterstützung seien nicht bloss Begleitfaktoren, sondern eigentliche Voraussetzungen dafür, dass das integrative Modell überhaupt akzeptiert werde.

Bemerkenswert ist auch die Position der LCH-Präsidentin Dagmar Rösler. Sie bezeichnet die Spaltung der Lehrerschaft als Warnsignal und fordert «schleunigst eine Kurskorrektur». Sie räumt ein, dass der Schulalltag in zahlreichen Klassen unter den heutigen Bedingungen kaum mehr bewältigbar sei. Insbesondere bei starken Verhaltensauffälligkeiten müsse es möglich sein, Schülerinnen und Schüler auch über längere Zeit aus einer Regelklasse herauszunehmen.

Sonderschulen seien weiterhin notwendig.

Ein inklusives Idealbild dürfe nicht dazu führen, dass regulärer Unterricht verunmöglicht werde.

Im Kanton Schwyz ist diese Diskussion nicht neu. Mit dem Postulat P 19/25 «Wie weiter mit der integrativen Förderung an der Volksschule?» wurde der Regierungsrat bereits aufgefordert, das bestehende System kritisch zu überprüfen. In seiner Antwort vom 13. Januar 2026 sah der Regierungsrat jedoch keinen Anlass für einen umfassenden Bericht. Er verwies auf die bestehenden Möglichkeiten der integrativen Förderung, besonderer Klassen und verstärkter Massnahmen sowie auf die seit dem Schuljahr 2025/26 neu mögliche Förderklasse. Für die Volksschulen gelte weiterhin der Grundsatz «Integration vor Separation».

Die nun vorliegenden schweizweiten Ergebnisse und insbesondere die deutlichen Aussagen zahlreicher direkt betroffener Lehrpersonen werfen die Frage auf, ob diese Einschätzung noch unverändert aufrechterhalten werden kann.

Fragen an den Regierungsrat

  1. Wie beurteilt der Regierungsrat die Ergebnisse der aktuellen LCH/GFS-Erhebung zur integrativen Schule, insbesondere die hohe Belastung der Lehrpersonen, die kritische Einschätzung der Sekundarlehrpersonen und die von zahlreichen Befragten festgestellten Auswirkungen auf das Leistungsniveau und auf die Förderung leistungsstarker Schülerinnen und Schüler?
  2. Verfügt der Kanton Schwyz über eigene aktuelle Daten oder Befragungen, welche aufzeigen, wie die Lehrpersonen an den Schwyzer Volksschulen die integrative Förderung beurteilen? Falls ja: Wie fallen diese Ergebnisse aus, insbesondere hinsichtlich Arbeitsbelastung, Unterrichtsqualität, Verhaltensauffälligkeiten und Leistungsentwicklung? Falls nein: Ist der Regierungsrat bereit, eine entsprechende Erhebung durchzuführen?
  3. Sieht der Regierungsrat angesichts der neuen Erkenntnisse einen Anlass, seine im Januar 2026 im Zusammenhang mit dem Postulat P 19/25 vertretene Haltung neu zu beurteilen?
  4. Ist der Regierungsrat weiterhin der Auffassung, dass der bisherige Grundsatz «Integration vor Separation» in seiner heutigen Ausgestaltung für sämtliche Schulstufen und Problemstellungen die pädagogisch beste Lösung darstellt?
  5. Sieht der Regierungsrat Handlungsbedarf, Schülerinnen und Schüler mit erheblichen Lern-, Leistungs- oder insbesondere Verhaltensproblemen häufiger und früher zeitweise oder dauerhaft in Förder-, Klein- oder Spezialklassen zu unterrichten, wenn dadurch der reguläre Unterricht und die übrigen Schülerinnen und Schüler erheblich entlastet werden können?
  6. Die Förderklasse ist im Kanton Schwyz seit dem Schuljahr 2025/26 möglich. Wie viele Förderklassen bestehen derzeit im Kanton, wie viele Schülerinnen und Schüler werden darin unterrichtet, welche Erfahrungen wurden bisher gemacht und welche Schulträger planen weitere solche Klassen?
  7. Ist der Regierungsrat bereit, die Rahmenbedingungen so anzupassen, dass Gemeinden und Bezirke Förder- und Kleinklassen einfacher beziehungsweise mit besseren Voraussetzungen anbieten können?
  8. Teilt der Regierungsrat die Einschätzung, dass nicht die maximale Integration möglichst vieler Schülerinnen und Schüler, sondern die bestmögliche Unterrichts- und Förderform für das betroffene Kind und für die gesamte Klasse ausschlaggebend sein sollte?
  9. Unter welchen Voraussetzungen wäre der Regierungsrat bereit, vom heutigen integrativen Setting stärker abzurücken und wieder vermehrt separative oder teilseparative Unterrichtsformen zu fördern oder gar verpflichtend zu machen?
  10. Beabsichtigt der Regierungsrat angesichts der aktuellen schweizweiten Diskussion, die Entwicklung der integrativen Förderung im Kanton Schwyz zu überprüfen und dem Kantonsrat über die Ergebnisse, den Handlungsbedarf sowie mögliche alternative Modelle Bericht zu erstatten?
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