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Editorial

Lieber «keine» als eine «schlechte» Lösung

Die Heiratsstrafe gehört abgeschafft – aber sicher nicht durch die Einführung der Individualbesteuerung. Was auf den ersten Blick gut klingen mag, entpuppt sich bei genauerem Hinsehen als bürokratisches Monster.

Gemäss der Antwort des Regierungsrats auf meine Kleine Anfrage rechnet der Kanton Schwyz bei einer Annahme der Initiative mit rund 35’000 zusätzlichen Steuererklärungen. Dafür müssten über 25 zusätzliche Steuerbeamte angestellt werden. Allein auf kantonaler Ebene entstünden Mehrkosten von mehreren Millionen Franken pro Jahr. Und das ist nur die Spitze des Eisbergs – auch die Gemeinden wären massiv betroffen.

Wer heute noch glücklich verheiratet ist, wird diese spätestens dann «strapazieren», wenn gemeinsam erarbeitetes Vermögen und diverse Anschaffungen und Güter künstlich auf zwei Steuererklärungen aufgeteilt werden müssen. Streit ist vorprogrammiert. Anwälte und Steuerberater dürfen sich freuen.

Profitieren würden vor allem gutverdienende Doppelverdiener-Ehepaare, die insbesondere bei der direkten Bundessteuer spürbar entlastet würden. Für diese Steuerausfälle aufkommen müssten vor allem würden Familien im Alleinverdiener-Modell, bei denen ein Elternteil die Kinder betreut und der andere das Einkommen erwirtschaftet.

Hinzu kommt neue Rechtsunsicherheit: Viele staatliche Leistungen – etwa Prämienverbilligungen – basieren heute auf dem Haushaltseinkommen. Mit der Individualbesteuerung würde dieses System auf den Kopf gestellt. Theoretisch könnte sogar die nicht erwerbstätige Ehefrau eines Topmanagers wie Sergio Ermotti Anspruch auf individuelle Vergünstigungen geltend machen. Macht das Sinn? Ganz klar: Nein.

Diese Initiative löst die Heiratsstrafe nur halbpatzig, schafft aber gleichzeitig eine Vielzahl neuer Probleme.

Die bessere Lösung ist ein faires Splitting-Modell, wie es mehrere Kantone bereits kennen. Damit wird die Progression entschärft, ohne unser gesamtes Steuersystem umzubauen.

Halten wir an einem funktionierenden System fest – und schicken wir diese schlechte Idee zurück an den Absender.

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